LE PENSEUR

„Der Denker“ Jean-Robert Valentin

Das Analoge verbindet sich mit dem Digitalen. Das Konzept: Optimierung, Optimierung einer Vergangenheitsfixiertheit, auch und gerade in der Kunst, die sich modern gibt, aber keine Zukunftsversprechen mehr auf Lager hat. Auguste Rodin war mit seiner Kunst, mit seinem „Denker“ zu seiner Zeit modern. Die Referenz auf ein Kunstwerk, dass sehr wohl Zukunftsversprechen in sich bar, ist der ideale Ausgangspunkt für einen Optimierungsansatz mit modernem Anspruch im Hier und Heute. Wäre der Denker von Rodin Musik, würde man von einer Single-Auskopplung sprechen. Denn ursprünglich war es eine Figur inmitten von ca. 180 Figuren aus dem „Höllentor“, einer Auftragsarbeit. Inspiriert haben Rodin das Kapitel „Hölle“ aus der „Göttlichen Komödie“ von Dante und die „Blumen des Bösen“ (Les fleurs du mal), ein Zyklus Prosagedichte von Charles Baudelaire. Beschäftigt hat ihn das Tor sein halbes Leben. Anfangs hieß der Denker noch „Der Poet“ und sollte eben jenen Dichter Dante Alighieri repräsentieren, der am oberen Rand des Werkes sitzt und über sein eigenes Prosagedicht nachdenkt. Die kleine Skulptur hatte Erfolg, heute würde man sagen, sie wurde gehypt. Um diesem Hype zu entsprechen, musste sie optimiert werden. Also zog Rodin sie aus dem Kontext, auch dies ein Zeichen von Modernität. Die Umgebung verschwand, es blieb die Figur als Marke, alsLogo. Gleichzeitig wurde der neue Solitär viel größer und auf einen Sockel gestellt. Weitere Abgüsse folgten wie Klone, mit denen jeweils eine schnellere Optimierung erreicht werden kann als mit der normalen evolutionären Weiterentwicklung. Der erste Bronze-Abguss von 1902 befindet sich heute im Garten des Musée Rodin in Paris, den gesenkten Blick auf das Höllentor gewandt. Denkt er darüber nach, was er noch als Teil des Tors wie die anderen Figuren erleben musste? War die Hölle für den Poeten das Ende der Welt und dahinter kein Denken mehr möglich? Wie weit können wir heute denken? Die Skulptur, ob Denker oder Poet, hat in über hundert Jahren viel erlebt: zwei Weltkriege, die ersten Schritte des Kinos, die Digitalisierung und eine stetige Beschleunigung. Sie erzählt also viel, und diese Information ist in der Materie gespeichert. Diese Informationen aus den letzten hundert Jahren sind auch im Netz gespeichert. Um einen Denker von heute zu konzipieren, müsste man diese Infos aus dem Netz ziehen und auf die Skulptur projizieren. Und möglicherweise würden sich Dante bzw. der Denker oder Poet mit dem Big Bang, dem Urknall befassen, mit der Grenze, an der unsere Kenntnisse enden und hinter der nur noch mathematische Hypothesen vorherrschen. So wie beim Denker oder Poeten die Kenntnisse am Tor zur Hölle endeten. Das Konzept für den Denker im Zusammenhang mit Optimierung setzt an dieser Grenze des Denkens an, die sich dank unterschiedlicher Wissenschaften im Laufe der Zeit verschoben hat. Die kosmische Mikrowellenhintergrundstrahlung ist zwar erst 380.000 Jahre nach dem Urknall entstanden, aber sie hängt mit diesem eng zusammen. Die Strahlung wird versinnbildlicht durch das Rauschen, das auf einige Flächen projiziert wird, aus denen sich die Skulptur zusammensetzt. Die Bilder, die für die Tiefe des Raums stehen, kommen auch aus dem Netz, und sie entstehen digital aus Punkten. So schrumpft der Raum wieder zu einem zweidimensionalen Bild zusammen. Der imaginäre Fluchtpunkt der Perspektive, der einst als Errungenschaft die räumliche Darstellung ermöglichte, erst mit einem Fluchtpunkt, dann mit zwei und drei Fluchtpunkten, ist zum realen Punkt geworden. Kein Fluchtpunkt mehr. Schon in der Kamera gab es nur noch die Optik. In digitalen Bildern gibt es nur noch den Punkt. Vom Fluchtpunkt ist nur der Punkt geblieben. Er ist nicht mehr imaginiert, er existiert wirklich. Minimalismus in der Perspektive. Selbst 3D findet auf dem Flachbildschirm statt, es ist nur in unserem Kopf dreidimensional. Gleichzeitig tritt das echte 3-D-Erlebnis in der Realität hinter diesen Eindruck zurück. Das komplette Mapping auf dem Denker fungiert wie ein Data Suit, ein Datenanzug, der dafür sorgt, dass dieser alles Wissen erhält. Die eckigen Formen des Denkers können auch als Rationalisierung, als Optimierung verstanden werden. Mehr braucht man nicht. Der Denker ist zur Projektionsfläche geworden, und die Projektion, das Data Suit hat die Form des Denkers modelliert. Das alte Bild vom Denker und das neue, optimierte Bild der digitalen Informationen aus dem Netz. Sie füttern sich gegenseitig und wachsen stetig –genau wie das Universum, dessen Hintergrundrauschen hier dargestellt wird.

Gabriele Neumann

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„WHITE GERMAN PIT BULL“ (sclupture & video mapping)


The biggest Pit Bull of the world.
This American Pit Bull Terrier is not Aggressive.

Nur ein verantwortungsvoller und pflichbewusster Besitzer kann die wunderbaren Attribute dieses Pit Bulls erleben.

Un Chien au XXIe siècle

Citation: „Les premières représentations du chien dans la peinture et la sculpture apparaissent dès l‘Antiquité. Compagnon de chasse au Moyen Âge, il est représenté dans les enluminures et les peintures murales. Dans les peintures de la Renaissance, il est représenté dans les scènes de vie quotidiennes. C’est à partir du XVIe siècle que l’on voit apparaître les premiers portraits seuls de chien. Mais c’est au XVIIIe siècle que l’on voit apparaître un véritable engouement pour la peinture animalière avec des artistes comme Alexandre-François Desportes. Au XIXe siècle, le peintre Louis Godefroy Jadin, peintre de la vénerie sous Napoléon III, est surnommé par Arsène Houssaye le « Michel-Ange des chiens ». Le siècle suivant, le chien devient un motif d’expérimentation pour les avant-gardes du XXe siècle.“
Source: https://fr.wikipedia.org/wiki/Chien_dans_la_culture

Notre Père qui es aux Cieux… (Pater Noster Lyrics + video art installation)


Der Text auf deutsch

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme,
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute,
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern,
und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

(Denn Dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.)

Amen.

et en français:

Notre Père qui es aux Cieux,
Que Ton nom soit sanctifié,
Que Ton règne vienne,
Que Ta volonté soit faite,
sur la Terre comme au Ciel.
Donne-nous aujourd’hui notre pain de ce jour,
Pardonne-nous nos offenses,
comme nous pardonnons à ceux qui nous ont offensés.
Et ne nous soumets pas à la tentation,
Mais délivre-nous du Mal.

Car c’est à Toi qu’appartiennent
le règne, la puissance et la gloire
pour les siècles des siècles.

Amen

Nu descendant un escalier en hommage à Marcel Duchamp

Nude Descending a Staircase (projection mapping) 
Akt, eine Treppe herabsteigend

Sein künstlerischer Schwerpunkt sind hochartifizielle VideoInstallationen.
Er erschafft multimediale Realitäten mit digitalen Bildern und digital erzeugter Musik zwischen Konkretion und Abstraktion. Seine Arbeiten sind bildreich und voller Anspielungen auf die Geschichte der Kunst.
Hinter der hier im Treppenhaus gezeigten Video-Installation von Jean-Robert Valentin versammeln sich die ikonografischen Vorgänger des Treppenmotivs, wie die experimentellen Fotoserien bewegter Menschen von Etienne Jules Marey, die wiederum für Duchamps „Akt eine Treppe herabsteigend“ Vorbild wurden, oder Richters Gemälde „Ema – Akt auf einer Treppe“ von 1966. Diese Bilder gelten als Innovation, indem sie die Grenzen ihres Mediums thematisieren und so versteht sich auch der Videokünstler Jean-Robert Valentin, der virtuos mit den Möglichkeiten und Grenzen der digitalen Kunst arbeitet.

So tritt die Arbeit hier aus dem Rahmen heraus, verlässt die Leinwand, den noch der Film, den Bildschirm, den noch das Fernsehen und die Videokunst benötigte. Das Digitale ermöglicht dem Künstler, seine Inszenierung mit dem Raum zu verschmelzen und sie genau diesem Raum zu widmen. Faszinierend, wie die realen Menschen, die die Treppe hinaufgehen, in optische Begegnung mit den hinabschreitenden Körpern der Videopräsentation geraten. Die Akte, die hier die Treppe herabsteigen, haben etwas Modernes und zugleich verschmelzen in ihnen Proportionsideale, die in verschiedensten Epochen von der Antike zur der Renaissance bis in die Nazizeit und die Werbeästhetik heute immer wieder aufgegriffen werden. Damit scheint diese Darstellung zu spielen und zugleich anzuspielen auf die kunstgeschichtlichen Vorbilder, die damit geradezu als Pathosformel zitiert werden.
Den Figuren haftet eine Nacktheit an, die nicht sinnlich, sondern stereotyp ist, sodass sie vor dem elektronischen Hintergrund mechanisch und beinahe martialisch wirken. In gewisser Hinsicht geben sie ein Bild dieser Zeit und verbinden sich zugleich mit der Treppen-Architektur und der Vergangenheit.

Margot Michaelis

à la recherche du boson de Higgs

Hannover, Dialog am Sonntag.
-„Search for the Higgs boson“, ça sonne presque comme du Marcel Proust.
-Ich meine, dass das „Standard Model“ damit wenig zu tun hat.
-Large Hadron Collider, c’est quand même quelque chose!?
-Klar, aber wie es ist mit God particle?
-Seulement un terme pour the discovery of the Higgs boson…
-Mit einer Menge proton–proton collisions with the ATLAS detector at the LHC…
-Oder the exclusive Higgs boson in particle smashups at CERN’s Large Hadron Collider!
-Nochmals: Das Higgs-Teilchen oder auf der Suche nach dem Ursprung der Masse.
-Si tu veux, das Standardmodell der Teilchenphysik beschreibt erfolgreich die bekannten Elementarteilchen.
-Es geht aber weiter: Die Forschergruppen der Atlas- und CMS-Experimente am Teilchenbeschleuniger LHC meinen, dass das neue Partikel mehr und mehr wie ein Higgs-Boson aussieht.
-„Gottesteilchen“ bezeichnet das Higgs-Boson.
-Oui, mais le terme « particule de Dieu » a été inventé par le physicien Leon Lederman en 1993 dans son ouvrage de vulgarisation scientifique The God Particule.
-Daher: Le boson de Higgs est surnommé particule de Dieu!
-Oder mécanisme de Brout-Englert-Higgs, kurz gesagt BEH.
-Tout ça pour dire que le champs de Higgs donne aux particules élémentaires leur masse.
(Silencio)
-Je me contante de la lecture d‘ Igor et Grichka Bogdanov.
-Toll, das ist auf deutsch kaum übersetzt…

P.S.: Merci à l’équipe du mur du temps: die Zeitmauer All Stars, Claudia, Cornelia, Gabriele, Kerstin, Kirsten,  Nicole…
et mes collègues, Degenhard Andrulat, Timm Ulrichs, Burkhard Scheller.

Money Machine


Bei Steffen Schmidt möchte ich mich für seine liebenswürdige Unterstützung bedanken.
Die Darstellung des Geldes, selten in direkter Form, vereinnahmt zahlreiche Nebenprodukte, die sich der Ikonographie des Geldes verschrieben haben. Ungefähr seit der Romanik kann man von drei Kasten sprechen, die sich das Geld gemäß den Stammesregeln im Verlauf der Geschichte angeeignet haben. Zu nennen wären der Klerus, der Adel und ab dem 15. Jahrhundert das noch junge, gerade aufkommende Bürgertum, das seine Rechte mit Hilfe der eigenen wirtschaftlichen Macht durchsetzt.
Während wir diese Pyramide auf der 1-Dollar-Note bewundern, wird mindestens der Anschein einer überaus medienwirksamen Umsetzung erweckt, die über eben dieses Konsumgut funktioniert. So symbolisch die Darstellung auch sein mag, indem sie aber auf einem Konsumgut abgebildet ist, entsteht eine gewisse Objektivität.

La représentation de l’argent, rarement directe, se voue à une multitude de produits dérivés, dédiés à cette iconographie pécuniaire. Trois castes se sont jusqu’il a de fait peux de temps, appropriées cette valeur selon les règles tribales tout au long de l’histoire dirons nous, à partir du roman. Nous citerons le clergé et la noblesse et partir du quattrocento, la toute jeune naissante bourgeoisie faisant prévaloir ses droits, armée de son essor économique.
En admirant cette pyramide sur le billet de un Dollar, le moins que l’on puisse prétendre, si symbolique, sa représentation me sembla-t-il, ne puis refuser une adaptation médiatique fonctionnant au moyen de produit de consommation. Une certaine objectivité, s’acquière par le biais d’un outil consommable.

„Schneekugel“


…Unendlichkeit, infinity, infini…
als Realitätsübertragung einer rein geistigen Erfindung.

  • [a, \infty)= \{x \in \R \mid x \ge a\} ou bien (-\infty,b]
  • \lim_{n\to \infty}a_n
  • \sum_{n=0}^{\infty} \, a_n = \lim_{m\to \infty}\sum_{n=0}^m \, a_n
  • \int_{-\infty}^{\infty} \, f(t)\ \mathrm dt = \lim_{t\to -\infty}\int_t^0 \, f(t)\ \mathrm dt + \lim_{t\to \infty}\int_0^t \, f(t)\ \mathrm dt
  • \|x\|_\infty

 

Fünf Gründe, die uns dazu gebracht haben,

an die Unendlichkeit wahr zu nehmen

Cinq raisons qui ont poussé à la croyance de l’infini

***

-1. Alles, was eine Größe hat, kann unendlich geteilt werden

-1.l’infini est dans la division des grandeurs.
Les mathématiciens aussi utilisent l’infini, et ce par la division. Par exemple, la formule de l’aire du cercle π.r2 est corroborée par la division du cercle en un nombre infini de triangles.

-2. Es gibt die Unendlichkeit im Ursprungssystem

– 2 il y a infinité de la source.
En effet, la destruction et la génération ne s’épuisent pas, ce ne peut être que grâce à l’infinité de la source d’où tout est engendré.

-3.Die Zeit ist unendlich

– 3, le temps est infini.
Toute génération reçoit une fin, mais la source n’a pas de principe qui l’engendre et ainsi elle n’a pas non plus de fin. Ainsi, le mouvement de la génération et de la corruption s’inscrit dans le temps et il est dû à une source inengendrée et incorruptible. C’est dire que le temps lui-même est infini.

-4.Es gibt keine Grenze in sich

– 4, il n’y a pas de limite en soi.
Ce qui est limité ne l’est que par autre chose, de sorte que rien ne sera limite puisque la limitation est toujours entre deux termes. L’infini est cette absence de limite en soi.

-5. Die Darstellung der Unendlichkeit erschöpft diese nicht

-5, la représentation de l’infini ne l’épuise pas.
Aristote donne pour exemple les grandeurs mathématiques et ce qui est hors du ciel. Les quantités et les étendues ne peuvent pas circonscrire l’infini par représentation. Autrement dit, on ne peut pas cerner l’infini dans son ensemble, car l’infini est toujours plus grand que ce qu’on aura cerné.
Il est toutefois possible, à partir des fragments et des commentaires, de distinguer la pensée de chacun des présocratiques et de la comprendre pour elle-même.

source: wikipedia